Themenschwerpunkt Woche für Seelische Gesundheit


Schwerpunkt "Seelisch gesund im Alter"

In der 7. Münchner Woche für Seelische Gesundheit stellen wir Menschen ab 65 Jahren in den Mittelpunkt. 21 % der Gesamtbevölkerung Deutschlands ist heute schon 65 Jahre, Tendenz ansteigend. Belastende Situationen wie der Übergang in die Rente, Verlust des Partners, Wechsel der gewohnten Umgebung oder körperliche Erkrankungen sind oftmals Auslöser für psychische Erkrankungen. Depressionen, Suchterkrankungen oder auch Suizidhandlungen können die Folge sein. Natürlich gibt es auch in diesem Jahr wieder eine Vielzahl an Veranstaltungen, die sich allgemein dem Thema Seelische Gesundheit widmen.

Hier erfahren Sie noch mehr zum Schwerpunktthema.

Im Folgenden möchten wir Ihnen zwei Menschen mit ihrer Geschichte und deren Umgang mit der eigenen Seelischen Gesundheit vorstellen.


Adelheids Geschichte

Adelheid (62) erkrankte auf Grund einer nicht diagnostizierten posttraumatischen Belastungsstörung in ihrer Pubertät an Depression, die sich in Zwängen und Selbstablehnung äußerte. Als junge Erwachsene erlebte sie erste manische Schübe gefolgt von absolut lähmender Depression. Da neben der medikamentösen Behandlung jeder gesprächs-therapeutische Ansatz gänzlich fehlte, endete diese Episode, trotz verzweifelter Suche nach Hilfe, im ersten vollkommenen Zusammenbruch mit 26 Jahren. „Realitätsverlust, Aggression, Schlaflosigkeit, Wahnvorstellungen, vier Monate Klinik, starke Psychopharmaka, Angst vorm Leben.“

Mit Hilfe von Medikamenten und ihrem untrüglichen Lebenswillen ging sie die ersten Schritte ihres Heilungsprozesses, aus denen über zehn Jahre später durch den Einsatz verschiedener Therapeut*innen und durchgehender Medikation in dieser Zeit eine echte Selbstwertschätzung entstehen konnte. Immer wieder die Entscheidung für das Leben und für die Lebensfreude, „dass mich nicht mehr die Angst bestimmt.“ Dabei waren guttuende Menschen an ihrer Seite für sie immer ausschlaggebend, die sie um Hilfe bitten konnte. Trotz großer anfänglicher Scham und Unverständnis hat es Adelheid geschafft, mit dieser Erkrankung leben zu lernen und Stärke daraus zu ziehen.

In der Balance von Innen- und Außenwelt findet Adelheid heute seelische Gesundheit. Sie vermeidet Stress und achtet auf ihren Rückzug, agiert selbstbestimmt in Aktivität und Ruhe – das macht sie ausdauernd und leistungsfähig. Neben Freunden und ihrer Familie helfen ihr ein Netzwerk und ein vertrauensvoller Arzt, ihr Leben mit kreativer Arbeit und im Einklang authentisch zu leben und Negatives wie Stress von sich fernzuhalten.

Sie betont wiederholt wie wichtig die Erkenntnis und das Annehmen der Erkrankung für sie war. Die Einsicht, dass sie nicht schuld ist. Man braucht unbedingt Menschen, die einen begleiten, mit dir dem Schmerz begegnen und dir helfen deinen Zustand zu verstehen.

Ebenfalls mit Depression kämpfenden Menschen will sie sagen: Gib dich nicht auf, glaub an dich und deine Kraft, es ist ein Leben mit der Krankheit möglich. Wenn nötig nimm deine Medikamente, finde eine gute Therapeut*in, Menschen und Aktivitäten die dir guttun – du kannst es schaffen. Niemand kann dich heilen außer du selbst: Sei deine beste Freundin, dein bester Freund.


Florians Geschichte

Florian (48) wurde vor 14 Jahren als depressiv diagnostiziert, jedoch lebt er wohl schon seit seiner Kindheit mit der Krankheit. Der akute Auslöser war intensives Mobbing am Arbeitsplatz, die Folge der Burn Out.

Zu Beginn halfen ihm Therapie und Medikamente, nach einem starken Rückfall zusätzlich Selbsthilfe Netze. Der Austausch mit anderen Betroffenen hat ihm den Mut gegeben, weiter zu machen – der Ablehnung von Kollegen und Vorgesetzen und völligem Unverständnis bei öffentlichen Stellen zum Trotz. Er war nicht mehr allein, nicht mehr isoliert – bereit Hilfe anzunehmen, sich selbst mit Stärken und Schwächen und seiner Krankheit zu akzeptieren, sein Leben neu zu gestalten.

Heute hält sich Florian mit Hilfe von Selbstreflektion, Meditation, den Werten der Achtsamkeitslehre und einem liebevollen Umgang mit sich selbst seelisch gesund. Er hat gelernt, auch nein sagen zu dürfen und sich bewusst die Zeit für sich und seinen Freiraum zu nehmen. „Immer wieder reflektieren und alles hinterfragen“ und seine Erfahrungen weitergeben – anderen die Hilfe geben, die ihm selbst so sehr geholfen hat: „Sag den Leuten etwas nettes und lobe wo immer du kannst.“

Ebenfalls mit Depression kämpfenden Menschen will er sagen: „Du bist nicht allein! Frag frühzeitig nach Hilfe, denn das Scheitern ist total ok und gehört dazu! Erfolg ist, einmal mehr aufstehen als hinzufallen“ 


Mehr zum Schwerpunktthema

Alle zwei Jahre widmet sich die Münchner Woche für Seelische Gesundheit dem großen Themenkomplex der Seelischen Gesundheit. Mit wechselnden Schwerpunktthemen möchte die Woche für Seelische Gesundheit unterschiedliche Personengruppen und deren Bedürfnisse näher vorstellen und die passenden (Unterstützungs-)Angebote in München publik machen.

Wussten Sie zum diesjährigen Schwerpunktthema schon, dass...

… die WHO die Zahl der Menschen mit Depressionen in Deutschland auf 4,1 Millionen schätzt, das sind 5,2% der Bevölkerung. In der Altersklasse 60+ erkranken ca. 2-13% der Menschen, die in Privathaushalten leben, und 6-16% der Menschen, die in Alten- und Pflegehäusern wohnen, an Depressionen – subklinische Depression kommen sogar zwei- bis dreimal so häufig vor.

… Depressionen neben der Demenz zu den häufigsten Erkrankungen im Alter gehören.

… Bayern im Bundevergleich aber in Deutschland eine der niedrigsten Prävalenzen für Depressionen aufweist.

… Experten davon ausgehen, dass etwa 40 Prozent der Depressionen im Alter nicht erkannt werden. Ältere Menschen leiden zu 90% an körperlichen Symptomen, wenn sie an einer Depression erkrankt sind - hier ist außerdem eine Abgrenzung zur Demenz wichtig!

… etwa 35% aller Suizide von Menschen über 65 Jahren verübt werden. Dabei ist die Zahl der vollzogenen Suizide in der Altersgruppe über 75 Jahre am höchsten. Insgesamt sind rund 90% der Suizide auf eine psychische Erkrankung zurückzuführen, in den meisten Fällen davon handelt es sich um Depression.

Wie kann es also gelingen, im Alter psychisch möglichst gesund zu bleiben? Oder wie können ältere und alte Menschen passende Hilfsangebote finden, wenn sie psychisch erkrankt sind? Welche Unterstützung gibt es für Angehörige? In der diesjährigen Woche für Seelische Gesundheit beantworten viele Einrichtungen diese Fragen und stellen ihre Angebote rund um das Thema "Seelisch gesund im Alter" vor.
Die rund 170 Veranstaltungen sind dabei so vielfältig, wie das Thema Seelische Gesundheit selbst: Präventionsangebote, Sprechstunden, Vorträge, Diskussionsrunden, Ausstellungen … Menschen mit psychischen Erkrankungen, deren Angehörige, Freunde, Kolleginnen und Kollegen, Arbeitgeber, Fachleute finden hier Hilfe, Informationen, Austausch.