Seelische Gesundheit - eine Herausforderung für unsere Gesellschaft
Wie häufig sind psychische Erkrankungen?
Jede/r von uns kann psychisch erkranken, und fast jede/r macht in der Familie, im Freundes- und Kollegenkreis Erfahrungen mit psychischen Krankheiten.
Untersuchungen haben gezeigt, dass fast jede/r dritte mindestens einmal in ihrem/seinen Leben seelisch erkrankt (Wittchen und Jakobi, 2005). Psychische Erkrankungen sind häufig und werden oftmals in ihrer Schwere unterschätzt.
Wie werden psychische Erkrankungen diagnostiziert?
Der Begriff "Psychische Störungen" wurde anstelle des Begriffs "Psychische Erkrankung" eingeführt, um eine Stigmatisierung der betroffenen Menschen zu vermeiden. Störung ist nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation, WHO, hier gleichzusetzen mit Krankheit. Unter Psychischen Störungen werden erhebliche, krankheitswertige Abweichungen vom Erleben oder Verhalten verstanden; konkret betroffen sind die Bereiche des Denkens, Fühlens und Handelns. Als weiteres Kriterium für eine Diagnose psychischer Störungen wird heute neben der Abweichung von der Norm häufig auch psychisches Leid auf Seiten der Betroffenen vorausgesetzt. Die Wissenschaften, die sich primär mit Störungen der Psyche beschäftigen, sind die Klinische Psychologie und die Psychiatrie.
Da das Verständnis psychischer Störungen mit einer hohen Bandbreite an ursächlichen oder assoziativen Erklärungsansätzen einhergeht, sind die Versuche einer Ordnung dieser Störungen immer auch Abbild der vorherrschenden Vorstellungen gewesen. Bis heute sind daher die gängigen Klassifikationssysteme Ausdruck geistiger Strömungen der jeweiligen Zeit, von denen die Forschung maßgeblich geprägt wird.
Die Klassifikation psychischer Störungen war lange Zeit länderspezifisch sehr unterschiedlich und hing auch von psychologischen oder medizinischen Schulen ab. Bis heute werden einzelne Aspekte der Klassifikationsansätze kontrovers diskutiert. Die vorhandenen Systeme werden immer als vorläufiger gemeinsamer Nenner verstanden. Im Wesentlichen spielen heute zwei Diagnose- und Klassifikationsschemata eine Rolle in der klinischen Anwendung:
- das weltweit in der Anwendung verbreitete ICD-10 der WHO
- das besonders in der psychiatrischen und psychologischen Forschung gebräuchliche DSM IV der American Psychiatric Association
Einige Zahlen und Fakten zu psychischen Erkrankungen
- Laut Weltgesundheitsorganisation, WHO, befinden sich weltweit unter den zehn häufigsten Erkrankungen allein vier psychische: Depressionen, Alkoholerkrankungen, manisch-depressive Erkrankungen bzw. bipolare Störungen und Schizophrenien - alle mit steigender Tendenz.
- Depressionen gehören zu den häufigsten und hinsichtlich ihrer Schwere am meisten unterschätzten Erkrankungen. Jeder fünfte Bundesbürger erkrankt ein Mal im Leben an einer Depression. Insgesamt leiden in Deutschland derzeit ca. vier Millionen Menschen an einer behandlungsbedürftigen Depression. Laut WHO wird im Jahr 2020 die Depression weltweit zweithäufigste Ursache gesundheitlicher Beeinträchtigung sein.
- Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes nehmen sich in Deutschland pro Jahr ca. 10.000 Menschen das Leben, wobei die tatsächliche Zahl der Suizide erheblich höher liegen dürfte. Die Zahl der Suizide übersteigt demnach deutlich die der jährlichen Verkehrstoten.
- Durch die gestiegene Lebenserwartung steigt auch die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten kognitiver Einschränkungen und dementieller Erkrankungen. Nach den Untersuchungen der Berliner Altersstudie für die Altersgruppen der 70- bis 100-jährigen leiden 14 % an Alzheimer-Krankheit und anderen dementiellen Syndromen.
Ausführliche Informationen zum Thema Seelische Gesundheit finden Sie außerdem auch auf folgenden Seiten:
- WHO, Regionalbüro für Europa
- WHO, Global Burden of Disease
- Gesundheitsberichterstattung des Bundes
- Robert-Koch-Institut
- Deutsches Zentrum für Altersfragen
Auch Kinder und Jugendliche sind betroffen
Psychische Auffälligkeiten und Störungen im Kindes- und Jugendalter, wie z.B. Hyperaktivität, Depressionen oder allgemeine Gewaltbereitschaft haben in den letzten Jahren haben immer mehr öffentliche Aufmerksamkeit gewonnen und werden in den Medien breit diskutiert. Laut BELLA-Studie weisen etwa 18 % der Kinder und Jugendlichen in Deutschland psychische Auffälligkeiten auf, die eine genauere Abklärung erfordern; bei etwa 10 % besteht ein Beratungs- oder Therapiebedarf.
Psychische Erkrankungen belasten die Volkswirtschaft
In den vergangenen Jahren haben Arbeitsunfähigkeitstage und Berentungen aufgrund psychischer Erkrankungen dramatisch zugenommen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lagen die Gesamtausgaben für psychische Erkrankungen im Jahr 2002 in Deutschland bei 22,4 Milliarden Euro (Statisches Bundesamt, 2004).
Den dringenden Handlungsbedarf in Prävention, Kuration und Rehabilitation psychischer Erkrankungen belegen eindrucksvoll die Daten der Krankenkasse. Beispielhaft trägt der Gesundheitsreport 2008 der Betriebskrankenkassen (BKK) den Titel "Seelische Krankheiten prägen das Krankheitsgeschehen".
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